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Mallorquinische Nächte (Auszug)

 

..... Pünktlich um 8.00 Uhr klopft Franco an meine Tür. „Buenas Dias Senorita. Aufstehen!" ruft er durch die geschlossene Tür.

Ich habe ihn gebeten, mich zu wecken, da ich keinen Wecker dabei habe.

„Gracias, Franco. Ich bin wach." Ich kämpfe mich aus dem Bett und springe schnell unter die Dusche. Meine Sachen habe ich schon am Abend bereitgelegt, eine bequeme weiße Baumwollhose und eine Rote Seidenbluse, die ich am Bauch zusammenknote. Ich finde, dadurch kommen mein Blondes Haar und meine Blauen Augen so richtig zur Geltung.

Ich bin nicht eitel, aber seit meiner Scheidung versuche ich halt das Beste aus mir herauszukitzeln.

Als ich nach unten komme, hat Sita, Francos Frau schon mein Frühstück fertig. Typisch Continental- Weißbrot, Käse, Marmelade und Eier. Ich verschlinge alles mit Heißhunger. Kaum ist der letzte Bissen geschluckt, hupte es auch schon draußen.

Franco sieht erstaunt hinter seinem Tresen hervor, dann zwinkert er mir zu und meint nur betont

„Senorita !?"

Ich lache ihn an und bin schon draußen.

 

Juan besitzt einen alten verrosteten Kastenwagen mit dem wir losdackeln.

„Wohin soll die Reise gehen, kleine Senorita?" fragt er gutgelaunt. „Das ist ganz Ihnen überlassen, Herr Chauffeur.

Zeigen Sie mir einfach die schönsten Orte dieser Insel."  Ich lache und bin glücklich.

Ach, was liebe ich dieses Gefühl der Ungezwungenheit. Dabei ist mein neues Leben gerade mal zwei Tage alt.

Ich genieße die Fahrt über staubige, holprige Straßen und durch die blühende Landschaft. Mir fällt auf, das es hier viele Windmühlen gibt, deren große Räder sich lustig im Wind drehen. Auf großen Reklameschildern lese ich, dass wir jetzt nach Manacor, in die Stadt der Perlen kommen.

„Manacor ist die zweitgrößte Stadt auf der Insel.“

klärt mich Juan auf. „Hier kommen die berühmten Majorica-Perlen her und es gibt jede Menge Keramikartikel. Lass dich einfach mal überraschen.“

Wir besichtigen als erstes eine Perlenfabrik.  Dort wird wunderbarer Schmuck hergestellt. Es gibt auch niedliche Figuren aus kleinen Muscheln. Leider bin ich viel zu knapp bei Kasse, um mir einfach mal etwas Kitsch zu leisten, also bewundere ich alles nur und lass es an Ort und Stelle liegen. Direkt nebenan ist eine Keramikmanufaktur. Hier gibt es wunderbare Gefäße und Töpfe. Manche sind bunt bemalt, wieder andere sind so blau wie das Meer lackiert. Am liebsten würde ich mir welche mitnehmen. Aber was soll ich dann damit. Ich könnte Sie nirgends hinstellen. Ich habe nämlich keine Wohnung mehr. Die letzten zwei Jahre habe ich bei meinen Eltern gewohnt. Das war ziemlich praktisch. Ich kam einfach nie dazu, mir die richtige Wohnung zu suchen.

Dann fahren wir weiter östlich über die Insel Richtung Meer und besuchen die Blaue Grotte in Porto Christo.

„Das ist die größte Tropfsteinhöhle von Europa. Sie heißt `Cuevas del Drach`“ erklärt Juan.

„Du könntest glatt als Reiseleiter anfangen. Das machst Du nämlich super.“ finde ich, aber er lacht nur. „Nee, lass mal. Wenn dann nur für junge hübsche Senoritas!“ Lachend suchen wir uns einen Parkplatz und er setzt seine Sonder-Führung fort.

Es ist einfach faszinierend. Hier unten ist es ziemlich dunkel. Wir müssen teilweise über schmale Holzstege, die um die Stalagmiten und Stalaktiten herumführen.  Wir kommen durch die „Schwarze Höhle“, die „Weiße Höhle“, und das „Fegefeuer“ bis zu einem unterirdischem See. Jede Halle hat hier einen Namen. Zum Abschluss wird die Höhle aus dem Wasser heraus beleuchtet, und ein Sonnenaufgang nachempfunden. Dabei färbt sich das Wasser von Orange bis zu gleißendem Gold. Einige Leute lassen sich jetzt mit kleinen Gondeln ans andere Ufer bringen. Das ganze Szenario wird mit Musik von Chopin und Händel untermalt. Das geht einem so richtig unter die Haut. Außerdem ist es hier unten ziemlich kühl, so dass ich anfange zu frösteln.

„Du sein ja ganz kalt, Tina!“ er leiht mir seine Jacke, die er mir locker über die Schultern legt. Dankbar drücke ich sanft seine Hand und er sieht mich lächelnd an.

Dann fahren wir in eine kleine Bucht in der Nähe von Calla Millor wo wir ausgelassen baden.

Das Wasser glitzert im Sonnenlicht und der Sand brennt unter unseren Füßen. Ich hätte nicht gedacht, dass die Sonne um diese Jahreszeit schon so viel Kraft hat.

Wir benehmen uns wie kleine Kinder und albern ausgelassen herum.

Wir haben fast den ganzen Strand für uns, da im April kaum Touristen hier sind. Langsam aber sicher bekommen wir Hunger. „Mein Gott, es ist schon nach Vier“ Ungläubig blicke ich auf meine Uhr. Die Zeit ist wie im Fluge vergangen. Juan fährt mit mir in den Ort und wir gehen in sein Lieblingsrestaurant. Die Fahrt hat etwas länger gedauert und wir sind jetzt so richtig hungrig.

Juan hat mir nicht zu viel versprochen.  Wir sitzen in eine gemütliche Fischertaverne. An der Decke hängen alte Netze mit Muscheln und Treibholz. Die Wände schmücken Bilder mit Fischerszenen. Sogar das Mobiliar hat einen gewissen Charme, die Stühle sind aus Flechtwerk und sehen aus, als hätten Sie schon bessere Zeiten hinter sich. Sie wackeln sogar ein bisschen und ich habe bedenken, ob mein Stuhl nicht unter mir zusammenbrechen wird. Hier gefällt es mir.

Was mir nicht gefällt  ist, dass Juan unbedingt das Essen bezahlen will. Eigentlich ist es mir unangenehm, er hat schon so viel für mich getan. Aufgrund meiner finanziellen Notlage lass ich mich dann doch überreden.

Juan bestellt gedünsteten Fisch in einer fruchtigen Tomatensauce. Dazu gibt es knackigen Salat, knuspriges Brot und  verschiedene Tapas. 

„Das Essen schmeckt einfach himmlisch.“ begeistert tunke ich mein Brot in die Sauce, damit auch ja nichts überbleibt.

“Ich glaube, wenn ich länger hier bin, passe ich in keine Hosen mehr.“

Satt und zufrieden lehne ich mich auf meinem Hocker zurück.

Juan grinst frech „Du kannst das doch vertragen. Spanische Frauen haben auch etwas Speck auf den Hüften. Dann hat man was zu packen.“

Mit gespielter Empörung werfe ich ihm meine zerknüllte Serviette ins Gesicht und muss dann doch herzlich lachen. 

 

" Soll ich dir meine Wohnung zeigen?" fragt er mich am Abend, als wir zurückfahren. „Sie ist direkt im nächsten Ort.“

´Da haben wir es, jetzt bekommst du deine Rechnung.

Er ist eben auch nur ein Mann.`

Wieder ist das flaue Gefühl in der Magengegend zu spüren, aber ich fahre trotzdem mit.

Seine Wohnung befindet sich in einem zweistöckigen weißgetünchten Haus in Capdepera und ist ganz spartanisch eingerichtet. Nur mit dem nötigsten. Zwei karge, weiße Räume. In dem einen ein alter gusseiserner Ofen, ein  Kühlschrank, der ziemlich verbeult und angerostet aussieht, ein Tisch, 2 Stühle und ein Schrank, im zweiten Raum ein Metallbett  und an der Wand nur ein paar Haken, an denen seine Sachen hängen.

In einem alten Koffer knubbeln sich Unterwäsche und Socken ...

"Ich teile mir die Wohnung mit einem Amigo, mal kommt er her, mal ich. Ist nicht gerade gemütlich, aber es reicht."

Juan nimmt ein Glas vom Regal "Möchtest Du etwas trinken?"

„Nur ein Wasser, wenn Du hast." Irgendwie werde ich dieses beklemmende Gefühl nicht los.  

Erwartet er jetzt etwas von mir. Ich will mich auf nichts einlassen. Juan reicht mir das Wasser.

„Gracias, Juan. Eigentlich werde ich langsam müde. Der Tag war einfach wunderbar und ich bin dir wirklich dankbar."

Juan stellt die Gläser in die Spüle, nimmt einen Apfel aus einem Weidenkorb und bietet mir auch einen an.







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