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Leuchtzeichen


B. Döblitz 3/10 
(Püttgeschichten)

Leuchtzeichen                                                                                  

Mein Opa Heinz schuftete nach dem Krieg auf Zeche Theodor in Altendorf an der Ruhr.
Heute heißt der Ortsteil Burgaltendorf und gehört zu Essen. 1968 wurde die Zeche stillgelegt und im Jahr 2007 wurden die letzen Gebäude abgerissen.
Ende 57´wurde Heinz zum Schachthauer. Von da an fuhr er nur noch Nachtschichten, da dann der Betreib größtenteils ruhte.

Zuhause erzählte er oft, dass er ein mulmiges Gefühl hat, wenn er auf dem Deckel des Förderkorbs stehend in den Schacht nach unten fährt um die Sprossen und Spurlatten an den Wänden zu kontrollieren.

Meine Mama Roswitha war zu dieser Zeit 11 Jahre alt. Zwischen den beiden herrschte eine tiefe Verbundenheit. Heinz nannte Rosi immer „Mein kleiner Schatten“, weil sie ihn auf Schritt und Tritt begleitete. Ihre Schwester Brigitte interessierte das ganze weniger. Sie ist schon älter und hatte andere Interessen. Sie war auch nie ein so genanntes „Papakind“.

Sooft sie es schaffte stand Rosi schon früh vor der Schule auf, um ihrem Vater entgegen zu laufen wenn er Schichtende hatte. Dann musste er  genau erzählen, was er alles erlebt hat.

 „Ich bin auf dem Förderkorb in die Tiefe des Schachtes gefahren,“ erzählte Heinz, „dabei hab ich die Wände mit einer Lampe auf Risse untersucht. Wenn man runterfährt, wird das einfallende Licht von oben immer kleiner, bis nur noch ein Pünktchen zu erkennen ist und unter dir ist 800 m  lang nichts! Da muss man ganz schön aufpassen.“ So beschrieb er ihr die Abfahrt. Rosi klebte dann immer ganz gebannt an seinen Lippen.

„Heute habe ich in einem Streb die Sprossen an den Wänden repariert, die Tagsüber kaputt gegangen sind.“ So musste er ihr jeden Tag berichten. ....


 © Bettina Döblitz

Der komplette Text ist nachzulesen in meinem Kurzgeschichtenbuch :
Gedankenspuren – Nicht alltägliche Kurzgeschichten von heiter bis besinnlich
ISBN-13: 978-3-95488-726-2

1. Auflage 2014 Engelsdorfer Verlag

Preis: 8,00 EUR
( auch als e-book erhältlich )
 






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